genossenschaftlicher Wohnungsbau

 

Murnau, den 31.03.22

 

Antrag: Genossenschaftlicher Wohnungsbau auf dem James Loeb-Gelände

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderates,

im Namen der Fraktion ÖDP/Bürgerforum stellen wir folgenden Antrag:

  1. Die Gemeinde stellt das Grundstück Flurnr. 1159 (ca. 2000 m² ) und einen kleinen Teil des nördlichen Grundstücks auf Flurnr.1156 (ca. 1000 m²) - siehe beigefügte Skizze - am James- Loeb- Gelände für ein genossenschaftliches Wohnprojekt im Erbbaurecht zur Verfügung. Die maximale GRZ (Grundflächenzahl - sie bestimmt den Flächenanteil eines Grundstücks, der bebaut werden darf) soll 0,3 betragen, dreigeschossig sein und mit mindestens 30 Wohnungen bebaut werden.
  2. Die Wohnungsbindung soll 40 Jahre betragen.
  3. Der Anteil der EOF (einkommensorientiertgeförderten) Wohnungen (Geschossfläche) soll mindestens 50% betragen.
  4. Die Genossenschaften unterbreiten einen Satzungsvorschlag, der sicherstellt, dass bevorzugt die einheimische Bevölkerung mittleren Einkommens mit EOF-geförderten und freifinanzierten Wohnraum versorgt werden soll.
  5. Die Anfangsmiete wird festgeschrieben.
  6. Für die freifinanzierten Wohnungen mit einer Anfangsmiete von 12 €, 11 € oder 10 € sollen von den sich bewerbenden Genossenschaften Vorschläge über die Höhe des Erbbauzinses gemacht werden.

Begründung:

Der Gemeinderat hat 2017 einstimmig beschlossen, auf dem James Loeb-Gelände bezahlbaren Wohnraum mit genossenschaftlichen Wohnungen zu schaffen.

Wir knüpfen an diesen Beschluss an.

Das Nettobauland von ca. 3000 m² entspricht unserem Vorschlag vom Februar 2020 und reduziert die ursprüngliche Nettobaufläche von ca. 6.200 m² um rund die Hälfte. Der jetzige Vorschlag weicht aber in einem wesentlichen Punkt vom Vorschlag von 2020 ab. Zwei Baukörper verlagern sich auf den äußeren westlichen Teil und sind dabei von Norden nach Süden angeordnet sowie auf einen Baukörper im nördlichen Teil des gesamten Geltungsbereiches. Dadurch rücken sie weiter vom James Loeb-Gebäude weg und beeinträchtigen es nicht in seiner Alleinstellung. Zudem bleibt eine Grünfläche westlich des James Loeb-Gebäudes erhalten.

 

 

Nach wie vor sind wir für eine dreigeschossige Bebauung, weil es sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist. Ökologisch deshalb, weil bei einer Bebauung in die Höhe weniger Fläche versiegelt wird. Ökonomisch, weil mit der Anzahl der Wohnungen die Wirtschaftlichkeit steigt und damit ein niedrigerer Mietzins einhergeht. Umgekehrt steigt der Mietpreis bei zweigeschossiger Bebauung. Einen städtebaulichen Hinderungsgrund für eine dreigeschossige Bebauung sehen wir nicht. Bei einer Dachneigung von 18° haben die Gebäude eine Firsthöhe von 10,78m. Es gibt genügend Gebäude in der Umgebung des Areals, die eine ähnliche oder sogar höhere Firsthöhe haben. Das James Loeb-Gebäude (viergeschossig) hat eine Firsthöhe von 15,60 m und wird seine Solitärstellung behalten.

 

Immobilienpreise und Mieten erklimmen in Murnau astronomische Höhen, und ein Ende der Entwicklung scheint nicht in Sicht. Wohnen ist auch für Normalverdienende zum Luxus geworden. Die Ergebnisse der von der Zugspitzregion in Auftrag gegebenen Studie zur Wohnungssituation im Landkreis dürften dem letzten Zweifler die Augen geöffnet haben. Es herrscht ein akuter Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Viele Unternehmen haben Probleme bei der Mitarbeitergewinnung. Rund die Hälfte davon gibt in einer Befragung an, die Ursache sei ein nicht ausreichendes Angebot an bezahlbaren Wohnungen. Hohe Mieten, so die Studie, zwingen Familien zum Umzug. 50% aller Mieterhaushalte in Murnau haben eine Mietkostenbelastung von 50% ihres Einkommens. Eine ähnlich hohe Quote im Landkreis erreicht nur noch Garmisch-Partenkirchen.

 

Auch die Kommunen haben Instrumente in der Hand, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Eines davon ist die Vergabe von Grundstücken an eine Genossenschaft im Erbbaurecht.

 

Beschlussvorschlag:

Der Gemeinderat stimmt den oben genannten Punkten 1 bis 6 zu.

 

Mit freundlichen Grüßen

Michael Manlik, Simon Pittrich, im Namen der Fraktion ÖDP/Bürgerforum