Chancen und Risiken für den Wirtschaftsstandort Murnau

Eine Zukunftsperspektive für das Gemeindekrankenhaus?

Bürgerspräch zum Wirtschaftsstandort Murnau nimmt überraschende Wendung
Einen „nachhaltigen Standort zu bauen“ sei die Herausforderung, der Murnau sich gegenübersehe. „Nachhaltig aufgestellte Gemeinden haben ein Gleichgewicht von intakter Ökologie, funktionierendem sozialen Gemeinwesen, und einer leistungsfähigen Wirtschaft. Das eine funktioniert nicht ohne das andere.“

Damit eröffnete Rolf Beuting das zweite seiner „Bürgergespräche“ am 12. Februar 2014 zum Thema „Chancen und Risiken für den Wirtschaftsstandort Murnau“.
Bisher fehle es Murnau wie dem ganzen Landkreis an einer aktiven um Nachhaltigkeit bemühten Wirtschaftsförderung. Das zu ändern sei eine wesentliche Motivation für seine Bürgermeisterkandidatur. „Wo man wohnt, da soll man auch sein Geld verdienen können“.

Bestandssicherung insbesondere für die eingesessenen inhabergeführten Betriebe und Unternehmen steht für ihn an erster Stelle. Hier „finden Arbeitnehmer gute Arbeitsplätze bei fairer Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen. Auf die sozialen Belange wird Rücksicht genommen. Viele dieser Firmen bringen sich auch ehrenamtlich in Murnau ein und nehmen auf den Umweltschutz Rücksicht.“

Wirtschaftsförderung zum Zwecke der Sicherung bestehender und Schaffung weiterer Arbeitsplätze müsse helfen Netzwerke aufzubauen, die – auch in interkommunaler und regionaler Zusammenarbeit - der Kommunikation, Information und Beteiligung dienen.

Josef Rother, Geschäftsführer der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung (GEFAK) und Referent des Abends, empfahl ebenfalls, „Nachhaltigkeit zu verinnerlichen“. Damit fügte er den von Beuting genannten Dimensionen – wirtschaftlich, sozial und ökologisch – eine vierte hinzu. Das von ihm geführte Unternehmen beispielsweise praktiziert ein Gewinn- (und Verlust-) Beteiligungsmodell und schickt seine Mitarbeiter ausschließlich mit der Bahn auf Dienstreisen.

Rothers Darstellung der wenig überraschenden Stärken - u.a. Tourismus, 

Gesundheit, Wohn- und Lebensqualität - und Schwächen - u.a. Flächenmangel, Grundstückspreise, Arbeitskräftemangel, Breitbandanbindung -, die sich aus der von der KEG in Auftrag gegebenen Unternehmensbefragung von 2011 ergeben haben, gipfelte in zwei miteinander zusammen hängenden Empfehlungen für den Standort Murnau

  • Interkommunale Kooperation, um die benötigten Arbeitskräfte aus- und fortzubilden, um „sparsam mit der Landschaft umzugehen“, um lokal Energie zu erzeugen und zu verteilen (Beispiel: der interkommunale Gewerbepark Salzbödetal) und
  • Einrichtung einer „Pendlerstation“, um „statt die Menschen zur Arbeit die Arbeit zu den Menschen zu bringen“.

Damit eine solche Station entstehen könnte, müssten sich die außerhalb gelegenen Arbeitgeber zusammenschließen und in Murnau Tele-Arbeitsplätze einrichten.

Eine überraschende Wendung nahm die anschließende Diskussion, als sich Dr. Rolland Rosniatowski zu Wort meldete. „Ich habe gar nicht erwartet, dass mir so die Bälle zugespielt würden“, nämlich als das Problem der Qualifizierung (ausländischer) Pflegekräfte und das ehemalige Gemeindekrankenhaus in den Mittelpunkt der Debatte gerückt waren. Der geschäftsführende Gesellschafter der EKA (Externe Krankenhaus Akademie GmbH) hat bereits Gespräche mit dem UKM und dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen sowie dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geführt. Ihm schwebt vor, im Gemeindekrankenhaus eine Akademie für die Qualifikation ausländischer Fachkräfte einzurichten, insbesondere für den Pflegebereich.