Energie-Management ist kein Placebo

Mit einem Anteil von 4% erneuerbarer Energie am Gesamtverbrauch trägt Murnau die rote Laterne im Landkreis - dieser tut es in Oberbayern.

„Unsere Kinder befinden sich am Ende des 21. Jahrhunderts mitten im Klimawandel“ sagt Rolf Beuting und fordert „unseren Beitrag“. Wenn es nach ihm geht, so „soll Murnau die Nachhaltigkeitskommune und der Vorreiter im Oberland“ werden. „Die Energiewende ist kein Trendthema, sondern ein Projekt, das einen langen Atem benötigt.“ Ein Projekt, welches nicht ausschließlich „durch die Kostenbrille betrachtet“ werden dürfe, denn: „Die EEG-Umlage zahlen wir für unsere Kinder.“

Ins gleiche Horn stieß Peter Keller (Green City Energy) beim „Bürgerspräch“, zu dem ÖDP/Bürgerforum Murnau unter dem Titel „Murnau gestaltet die Energiewende“ ins Kultur- und Tagungszentrum geladen hatte. Eine Gemeinde könne zwar nicht völlig energieautark werden und auf sich gestellt auch weder den Klimawandel aufhalten noch die Energiewende bewerkstelligen. Beispiele allerdings zeigen: Kommunen haben durchaus Möglichkeiten, die sie wirkungsvoll einsetzen können.

Etwa die Gemeinde Seefeld, die 70.000 Euro zur Förderung für sanierungswillige Bürger bereit stellt. Anreizprogramme für Sanierer auch in Gauting, ein Bürgersolarpark in Garching, ein Windpark in der Ortenau... ganz zu schweigen von dem, was Wilpoltsried im Allgäu oder Güssing im Burgenland auf die Beine gestellt haben.

Ein erster kleiner Schritt auf dem richtigen Weg seien die 4.000 Euro, die die Gemeinde Murnau auf Antrag von ÖDP/Bürgerforum für den Austausch stromfressender Heizpumpen bereit gestellt hat. Nur kleine Schritte nämlich könnten die Bürger und ihre Gemeinden unternehmen. Die aber müssten sie tun. Keller: „Mit dem Förderprogramm zum Austausch von Heizpumpen unten anfangen und sich langsam nach oben arbeiten. Am Anfang steht die Reduzierung des Energieverbrauchs, und Sanierung ist einer der wichtigsten Beiträge zur Senkung des Verbrauchs".

Auch die Einstellung einer Energie-Managerin gehört nach Keller zu den Schritten in die richtige Richtung. Die Energiewende brauche einen

 „Kümmerer“, der oder die dürfe jedoch „nicht zerrieben werden zwischen den unterschiedlichen Interessen und ihren Vertretern“.

Und es dürfe auch nicht „nach drei Jahren, wenn die Förderung durch das BMU beendet ist, alles wieder zum Stand von vorher zurückkehren“. Die Projektstelle einer Energie-Managerin „ist kein Placebo, das der Bürgermeister verabreicht, um seine Ruhe zu haben“.

Dass Bürger die großen Versorger und „die Politik“ mores lehren können, haben die Einwohner der Gemeinde Berg in der Oberpfalz jüngst mit ihrem „Wir sind das Volk“-Protest gegen die geplante Stromtrasse vorgeführt und der Obrigkeit ein „zweites Wackersdorf“ angedroht (Bericht des Bayerischen Rundfunks in „Quer“ am 30. Januar sowie Münchener Merkur am 17. Februar).

„Dem Bürger, der für kleinteilige Energiegewinnung und -versorgung kämpft, bläst der Wind heftig ins Gesicht“, sagt Beuting. Während die großen Energieversorger in unsinnige off-shore-Windparks investieren und Stromtrassen quer durch die Republik fordern, kann das Ziel Dezentralisierung und Kleinteiligkeit nur mühsam mit kleinen Schritten angesteuert werden. Diese jedoch müsse man beharrlich gehen.

Zunächst richtet sich der Appell „Bewusstseinsänderung führt zu Verhaltensänderung“ an jeden Einzelnen - warum nicht beispielsweise freiwillig ein Tempolimit einhalten? Und bewusst „Rebound-Effekte“ vermeiden nach dem Motto: „Wenn meine PV-Anlage mir billigen Strom liefert, dann mus ich ja nicht länger sparen“.

Priorität sollen nach Keller solche Maßnahme haben, „die bei geringem Aufwand einen relativ großen Erfolg versprechen und multiplikatorisch wirken“. So könne die Gemeinde dazu stimulieren, dass sich sanierungswillige Bürger zu Einkaufsgenossenschaften zusammenschließen – erfolgreich praktiziert im Landkreis Pfaffenhofen.

Für Murnau listete Holger Poczka auf, welche derartigen Maßnahmen seitens ÖDP/Bürgerforum beantragt worden seien: Schließung des Radwegenetzes, energetische Sanierung kommunaler Gebäude, Modernisierung der Straßenbeleuchtung sowie Netzübernahme durch die Kommune.

Damit ist das Klimaschutzkonzept nicht umgesetzt, es ist im Visier. Und dort muss es bleiben.